Bio

Ich bin Politik- und Medienwissenschaftler mit einem starken Interesse an digitaler Ethik und einem beruflichen Hintergrund in der Politikberatung. Ich habe an der Universität Oxford (St. Antony’s College) in Medienwissenschaft und Politikwissenschaft mit Auszeichnung („no corrections“) promoviert.

Nach meinem Diplom in Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin war ich fünf Jahre bei der Stiftung Wissenschaft und Politik tätig, wo ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter Abgeordnete des Deutschen und Europäischen Parlaments sowie das Auswärtige Amt beriet.

Als politischer Berater der Gesellschaft für digitale Ethik arbeite ich derzeit an einer deutschlandweiten Sensibilisierungskampagne zu den negativen Auswirkungen sozialer Medien, wo ich für das Kampagnenmanagement und den Aufbau von Koalitionen mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen und akademischen Institutionen verantwortlich bin.

Ich bin aktives Mitglied des Nationalen E-Government Kompetenzzentrums und moderiere das Fachforum für Digitale Ethik von Verwaltung und Unternehmen des Kongresses Digitaler Staat.

Dissertation (im Erscheinen bei Palgrave MacMillan)

Im Erscheinen ist eine Monographie, die aus meiner Dissertation hervorging. Das Buchprojekt untersucht die Form, die Dynamik und die Hauptgründe für das Kapern von Medien (media capture) und Verschwörung zwischen Herausgebern und exekutiven Politikern in Mittel- und Osteuropa (MOE) seit 2000. Angesiedelt in der Literatur zu Demokratisierung, Parteienforschung und Medienwissenschaft, zielt das Buch darauf ab, diese Felder miteinander zu verbinden, indem es zeigt, dass parteiinterne Dynamiken wie die Verwurzelung von Parteiführern, die Anfechtung von Regeln und die Institutionalisierung von Regeln eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, Exekutivpolitiker zu motivieren, Medien zu kapern oder mit ihnen zu kollaborieren. Das empirische Ergebnis der Studie, das drastische Versäumnisse bei der Kontrolle von mittelosteuropäischen Regierungen durch die Medien aufzeigt, widerspricht den dominanten Narrativen über den hohen Grad demokratischer Konsolidierung in MOE zwischen 2000 und 2014 und stellt daher die Eignung von Indikatoren in Frage, die in erster Linie die Institutionalisierung von Institutionen und nicht die Institutionalisierung von Partikularismus erfassen.

Illustriert werden diese Entwicklungen am Fallbeispiel Kroatien, das aufgrund seiner Verwicklung in einen Krieg als sogenannter harter Fall Aufschluss über seine peers in MOE geben kann, in denen ähnliche, aber weniger schwierige Bedingungen zu einem ähnlichen Ergebnis führten. Vor diesem Hintergrund erzählt das Buch die Geschichte des kroatischen Journalismus im Kontext von Medienmafia-Konglomeraten, politischer Korruption und Medienkaperung und untersucht, wie „traditionelle“ demokratische Treiber, die die Literatur vielfach zitiert, so u.a. einen funktionierenden Parteienwettbewerb und Europäisierung, diese systematischen Übertretungen durch Politiker nicht verhindern konnten. Stattdessen wird in diesem Buch argumentiert, dass innerparteiliche Dynamiken wie die Verwurzelung der Parteiführer in der Parteimitgliedschaft, der Grad ihrer parteiinternen Anfechtung und die Institutionalisierung parteiinterner Regeln eine wichtige Rolle bei der Schaffung von Anreizen für exekutive Politiker zum capture von oder der Verschwörung mit Medien spielen.

Methodisch verfolgt das Projekt dabei einen zweigleisigen Ansatz. Zum einen wurden knapp 50 Interviews mit kroatischen investigativen Journalisten geführt, aus denen Narrativen über das Verhältnis von Regierungspolitikern und Herausgebern über 15 Jahre rekonstruiert wurden. In einem zweiten Schritt wurde eine Stichprobe von 40.000 Medienartikeln einer Sentimentanalyse unterzogen, die ebenfalls einen Zeitraum von 15 Jahren abdecken. Die Ergebnisse zeigen, dass die jene aus den Interviews bekannten gekaperten Medien durchweg extrem positive Ansichten über Politiker verbreiteten, von denen bekannt war, dass sie in korrupte Geschäfte verwickelt waren. Da Medien-NGOs in der Vergangenheit auf anekdotische Hinweise angewiesen waren, um staatliche Übertritte der Autonomie der Medien zu dokumentieren, ist die hier entwickelte Big-Data-Methode die erste, die eine direkte, objektive und systematische Messung von Pressefreiheit ermöglicht.

Digitaler Ethik Blog

Bis zum Verlust der Twittersprache. Deplatforming zwischen demokratischer Hygiene und cancel culture

Am Ende war es dann wieder nicht der amerikanische Senat, der die Reißleine für Donald Trump zog, sondern twitter und facebook. Da bekanntermaßen die größte Massenvernichtungswaffe die Masse selbst ist, setzen die sozialen Netzwerke seit einiger Zeit verstärkt darauf insbesondere jene unter die Lupe zu nehmen, die diese Masse mit Populismus, Demagogie, oder einfach nur plumpen Lügen verführen wollen. Dass es mit Donald Trump den nunmehr ehemaligen Präsidenten der USA getroffen hat, ist den einen unrechtmäßige Zensur und den andern überfällige Korrektur einer offensichtlichen Fehlentwicklung.

Das Diversitätsdilemma im Silicon Valley

Wer gedacht hat, dass im Silicon Valley nicht nur die „Frappuccino mit Haselnussmilch“-Fraktion, sondern auch die diversitätsfreundliche politische Linke beheimatet ist, hat sich zwar nicht im ersten, wohl doch aber im zweiten Punkt getäuscht. Schon seit einigen Jahren häufen sich die Hinweise darauf, dass – wer hätte es gedacht – gesellschaftliche Diversität und Themen wie …

Blockchains – neue Träger demokratischer Prozesse?

Demokratien weltweit stehen vor einer Reihe von Herausforderungen. Technologien transformieren Gesellschaften und soziale Beziehungen, ohne dass die Politik in der Lage wäre, diese Wandlungsprozesse rechtzeitig zu verstehen, geschweige denn effektiv zu steuern. Dort wo bestehende Systeme an ihre Grenzen geraten, entstehen Gelegenheitsfenster für neue Technologien. Es scheint kein Zufall zu sein, dass sich Bitcoin, die …